Der Welpe aus “Billigproduktionen” oder aus dem “Zoofachhandel”

Leider erweist sich diese Nachhaltigkeit nicht im positiven Sinne. Schäden sowohl physischer als auch psychischer Natur wird Ihr Welpe aus „Billigproduktionen“ und aus dem Zoofachhandel sein gesamtes Leben mit sich schleppen – und Sie auch, wenn Sie Ihren Welpen verantwortungsvoll durch sein Leben begleiten, das für ihn so viel schwerer sein wird als für andere Hunde.

Die Last, die er und Sie zu tragen haben werden, ist groß sowohl in gesundheitlicher als auch in verhaltenstechnischer Hinsicht. Hinzu kommt Ihr schlechtes Gewissen, wenn Sie das Ausmaß des Elends überblicken, das mit dem Erwerb eines niedlichen Welpen aus „Billigproduktionen“ oder aus dem Zoofachmarkt heraufbeschworen wird.

Es gibt mehrere Möglichkeiten, an das Thema „Ein Hund aus „Billigproduktionen“ und dem Zoofachhandel“ heranzugehen. Emotional und anhand nüchterner Fakten.

Emotional

Im ersten Moment überwiegen die Emotionen, wenn man von einem Welpenhandel aus „Billigproduktionen“ und im „Zoofachgeschäft“ hört, und erst recht, wenn man diese kleinen, hilfsbedürftigen Wesen leibhaftig vor Augen hat.

Man denkt an die kleinen Lebewesen, die mit einer äußerst schweren Bürde in ihr Leben gehen.

Man denkt an den weiteren folgenreichen Lebensweg – folgenreich hinsichtlich ihres Verhaltens und ihrer Gesundheit.

Man denkt an die Käufer, von denen die wenigsten bereit sein werden, die Verantwortung für den verantwortungslos über die Ladentheke geschobenen Verkaufsartikel „Hund“ bis an dessen Lebensende zu tragen.

Man denkt letztlich auch an das im Hintergrund durch diesen Welpenhandel angefachte Tierleid: an die Produktionsstätte, an die zu Produktionsmaschinen missbrauchten Mutterhündinnen.

Aber rein über die emotionale Schiene wird man dieser „Verkaufsidee“ kein Ende setzen können. Ihr gegenüber steht das Kindchenschema des Welpen, das seine Wirkung nicht verfehlt und das dem Käufer in der Regel den Verstand raubt und die Geldbörse öffnet. Und das ist auch das Ziel, oder können Sie sich Hundesenioren als Verkaufsschlager vorstellen?

Es müssen als Gegenargument somit Fakten her.

Nüchterne Fakten

Die Herkunft und Betreuung der Welpen

Das Vermehren von Welpen hat mit einer seriösen Zucht rein gar nichts gemeinsam, außer, dass Welpen in die Welt gesetzt werden. Es verbietet sich für einen seriösen Züchter, seine Welpen über den Zoofachmarkt an „Irgendwen“ zu verkaufen, da es ihm wichtig ist, dass die Welpen, die unter seiner liebevollen Obhut die ersten Lebenswochen verbracht haben und um deren Wohlergehen und das ihrer Mutter er sich verantwortungsbewusst gekümmert hat, auch auf ihrem weiteren Lebensweg liebevoll angenommen und umsorgt werden. Er ist an ihrem Wohlergehen interessiert, sowohl vor als auch nach dem Kauf, so dass er einem Verkauf seiner Zucht über den Verkaufstresen im Zoofachgeschäft zu den dort vorhandenen Verkaufsgepflogenheiten niemals zustimmen würde.

Ein seriöser Züchter plant seinen Wurf gezielt, er wählt die Elterntiere gewissenhaft nicht nur in genetischer Hinsicht, sondern auch aufgrund ihres Verhaltens. So geben ängstliche Hundemütter dieses Verhaltensmerkmal an ihre Welpen weiter, und ein seriöser Züchter wird solch auffällige Hündinnen nicht zur Zucht einsetzen.

Selbstverständlich kann man bei Welpen, deren allererste Wochen bei ihrer Hundemutter nicht auf der Sonnenseite des Lebens stattfanden, durch eine intensive Betreuung und liebevolle Pflege mit Sachverstand, Zeit, Geduld und Hingabe noch sehr viel „gutmachen“. Dies beweisen jeden Tag die Tierschützer in den Tierheimen und in Pflegestellen. Deren Motivation, sich um die Welpen zu kümmern und sie bestens auf ihr Leben vorzubereiten, ist die reine Tierliebe. Ohne finanziellen Hintergedanken wird sich überaus hingebungs- und liebevoll um die Welpen gekümmert. Jeder einzelne von ihnen erfährt die Zuneigung und Förderung, die Berücksichtigung seiner individuellen Eigenheiten, die notwendig sind, um ihm so viel Liebe und Vertrauen mit auf seinen Lebensweg zu geben, dass er davon sein gesamtes Leben profitiert. Der Welpe wird als Persönlichkeit wahrgenommen, als Individuum, um dessen Wohl sich von Herzen gerne gekümmert wird um seiner selbst willen und nicht um des Willens der Mängelfreiheit (sonst ist es „B-Ware“ beim Händler).

Es wird nicht jede Minute gezählt, sondern Stunde um Stunde freiwillig hoch engagiert und uneigennützig sich um die Welpen gekümmert. Wo bekommen Sie noch mehr für Ihr Geld?

Die billig und schnell über Ramschblätter oftmals mit „wohlklingenden“ Zwingernamen versehenen oder im Zoofachhandel feilgebotenen Welpen kommen von Hundevermehrern. Für sie basiert die Welpenproduktion auf einem wirtschaftlichen Handeln und Denken. Dementsprechend wird kostenminimierend produziert. Es wird an der „Qualität“ der Elterntiere gespart, es wird gespart an der Unterbringung, an der Umsorgung der Welpen, an der mit den Welpen verbrachten Zeit zur Sozialisierung.

Es wird nur das Notwendigste gemacht. Das reicht jedoch noch lange nicht aus. Jede Minute mehr kostet und rechnet sich nicht. Es geht um Gewinnmaximierung und nicht um Wohlfahrt.

Der Käufer

Sie müssen sich nüchtern vor Augen halten: Mit Ihren Gefühlen, Ihrer Zuneigung, auch Mitleid mit den Welpen wird gespielt. Es ist berechnendes Kalkül. Jeder so schnell wie möglich an den Mann / die Frau gebrachter Welpe spült Geld in die Kassen. Der Welpe ist ein Wirtschaftsfaktor. Ein Posten im Lager. Je schneller der aus dem „Regal“ ist, umso schneller kann nachgeordert werden, wenn möglich auch noch beim Produzenten mit Rabatt für besonders große Abnahmemengen.

Sie sollten Ihren neuen Hund als Familienmitglied sehen. Die Billigproduzenten und der Zoofachhandel sehen Sie jedoch nicht als neue Familie für den feilgebotenen Welpen, sondern als Käufer einer Ware. Und je schneller die verkauft wird, umso besser, erst recht, da die Ware ein „Verfallsdatum“ hat. Wohin mit den nicht verkauften Welpen? Mit jeder Woche wird ihr Verkauf schwieriger, da das Kindchenschema immer weniger greift. Es gilt „Alles muss raus“. Klingt wie der Schlussverkauf am Wühltisch.

Ganz anders werden dagegen Sie und der Welpe beim Tierschutz und beim seriösen Züchter wahrgenommen. Es wird an Sie der Welpe vermittelt, der zu Ihnen passt, zu Ihren Lebensbedingungen und zu Ihrer Persönlichkeit. Ziel ist die größtmögliche Gewissheit, dass alle Beteiligten (übernehmende Familie und Welpe) für das Hundeleben lang glücklich miteinander sein werden. Auch das Abraten von der Aufnahme eines Welpen ist denkbar und auch zu Ihrem Nutzen. Nicht immer passt ein (oder dieser bestimmte) Welpe in Ihre Familie. Freuen Sie sich über die ehrliche Auskunft und das Bemühen der Vermittler, auch Ihnen das Leben zu erleichtern.

Die Auswahl der geeigneten Familien beim Billigproduzenten und beim Zoofachhandel steht dagegen unter einem völlig anderen Stern, einem für ein Lebewesen äußerst unguten Stern. Egal wie unüberlegt und eigentlich unpassend der Erwerb des Welpen ist, dank des Rückgaberechts sind Sie auf der sicheren Seite. Und die Ware Welpe? Wer sagt Ihnen, dass Sie nicht bereits den dritten Rückläufer kaufen? Womit das weitere Zusammenleben mit ihm von Mal zu Mal aufgrund der leidvollen Erfahrungen schwerer wird.

Das weitere Leben des Welpen

Makaber, aber Tatsache: Als Hundetrainer mit verhaltenstherapeutischer Praxis müsste ich eigentlich dem Verkauf von Welpen aus Billigproduktionen und im Zoofachhandel positiv gegenüber stehen. Denn so geht die „Kundschaft“ nie aus…

Jedoch sind für mich die Menschen mit Ihren Hunden nicht nur Käufer einer Dienstleistung, sondern in erster Linie Lebewesen, und ich fühle mit ihnen mit. Ich erlebe im täglichen Training, welche Schwierigkeiten die Hundebesitzer mit achtlos aufgezogenen Welpen im Alltag bestehen müssen, wie aufwendig und kostenintensiv das Training ist und was den Haltern sonst noch abverlangt wird. Und trotzdem lässt sich das Rad für den Welpen nicht zurückdrehen. Er und damit sein Halter haben leidvoll ihr gesamtes Leben etwas davon, wenn auf die Bedürfnisse des Welpen in seinen ersten bedeutsamen Monaten nicht entsprechend eingegangen worden ist.

Zum Verkauf sind die Welpen in ihrer Präsentationsfläche den Besuchern und ihrer willkürlichen und oftmals ausgesprochen ungeschickten und unsensiblen Kontaktaufnahme ungeschützt ausgesetzt. Der Lärm trägt sein Übriges dazu bei, dass die Welpen mit Reizen überflutet werden und mangels kompetenten Beistands und Ruhe darin untergehen und regelrecht ertrinken. Kein erfahrener Sozialpartner ist bei ihnen, um sie in ihren Erfahrungen und Ängsten aufzufangen und ihnen ein Vorbild im Verhalten zu geben, wie auf derlei Reize optimal reagiert werden kann. Statt dessen ist ein Welpe „Vorbild“ für den anderen. Vorbild? Nicht im Sinne von vorbildlich, sondern wie eine Kopiervorlage: Auf einen bestimmten Reiz mit Angst zu reagieren lässt sich leicht nachahmen. Die Angst, an für sich eine überlebenswichtige Emotion, wird unverhältnismäßig und unpassend oft gezeigt, gefestigt und aufgrund ihres expansiven Charakters zu einem vorherrschenden Wesensmerkmal des Welpen.

Sozialkontakte sind durch die anderen Welpen gegeben, aber keiner von ihnen kann richtiges, fein abgestimmtes Sozialverhalten vorleben. Soll hier etwa auch wieder ein Welpe dem anderen ein „Vorbild“ sein? Es wird gemobbt, schlechtes Sozialverhalten trainiert. Vergleichbar ist dies mit einer Kindergartengruppe, die ohne einen erwachsenen und geschulten Betreuer in einen Raum gesperrt sich selbst überlassen wird. Würden Sie Ihr Kind in eine solche Gruppe stecken und erwarten, dass es hierbei nur gute Erfahrungen mitnimmt und optimal gefördert wird? Sehen Sie dies als den optimalen Start für sein Leben?

Kein beim Billigproduzenten oder im Verkaufsladen aufgewachsener Welpe kann Urvertrauen bilden, Geborgenheit und ehrliche Wertschätzung erfahren. Diese existenziellen Bedürfnisse sind jedoch elementar wichtig für sein weiteres Leben.

Durch die Reizüberflutung, durch die soziale Verwahrlosung aufgrund der nicht vorhandenen liebevollen steten Umsorgung, aufgrund des Fehlens eines erfahrenen und seiner Verantwortung bewussten Vorbildes und damit dem Mangel an positiven, fördernden Sozialkontakten ist die Traumatisierung des Welpen vorprogrammiert. Diese Traumata beeinflussen jedoch entscheidend die Entwicklung des Welpen und können besonders während des Heranwachsens zu schwerwiegenden emotionalen und sozialen Störungen mit aggressiven Verhaltensweisen führen.

Früher oder später zeigt sich letztlich das gesamte Ausmaß der so geschädigten Welpen: Bindungsstörungen, Ängste, Probleme im Lernverhalten und in der Gedächtnisleistung, verminderte Stresstoleranz, Störungen in der Entwicklung der hormonellen Stressregulation sowie im Immunsystem, der Aufmerksamkeit und der Motorik (ADHS).

Hinzu kommt, dass viele Hunde, die im Alter von wenigen Wochen ohne Mutter oder erfahrenen Althund tagelang in engen Boxen vom Erzeugerbetrieb zur Verkaufsfläche transportiert worden sind, generelle Probleme mit dem Autofahren entwickeln. Dies ist erst recht ein äußerst lästiger Umstand und zum Teil kaum im Alltag lösbar, wenn man bedenkt, dass die Hunde aufgrund der übereilten und zu frühen Trennung von der Mutter oder „Tante / Onkel“ bereits früh Verlassensängste entwickeln und von daher immer auf Ihre Nähe oder die eines anderen vertrauten und verlässlichen Menschen angewiesen sind.

Um die Gesundheit ist es ähnlich schlecht bestellt: Viele Welpen bekommen schon von klein auf Medikamente, ohne die eine “Massenhaltung” nicht funktioniert. Ihre anfälligen Körper sind so stark verwurmt, dass sie mit den schärfsten Wurmmitteln behandelt werden müssen. Aufgrund dessen, dass sie viel zu früh von der Mutter getrennt und transportiert werden, benötigen sie bereits im Alter von 4 bis 5 Wochen die ersten Impfungen. Es ist kein Wunder, dass diese Belastung und der chemische Cocktail für das empfindsame Immunsystem eine einzige Katastrophe ist. Demzufolge kann sich oftmals kein ausreichender Impfschutz aufbauen, und der Welpe stirbt trotz erfolgten Impfungen an Staupe oder Parvovirose.

Beim Verkauf können die Welpen augenscheinlich noch „gesund“ aussehen, aber in ihren Körpern tobt ein Kampf gegen die Erkrankungen, die dann auch häufig ausbrechen. Deren Behandlung beim Tierarzt Ihres Vertrauens, der nicht im Dienst des Produzenten oder des Verkaufsladens als Arbeitgeber steht und entsprechend parteiisch befangen ist, ist äußerst kostspielig. Oftmals auch vergebens.

Aber selbst wenn nicht recht schnell und notfallmäßig der Gang zum unparteiischen Tierarzt ansteht, der Sie mit weitaus mehr Weitblick als seine parteiischen Kollegen zu beraten weiß, die Spätfolgen der immensen chemischen Belastung für das noch unausgereifte Immunsystem sind nicht zu verachten und verhelfen Ihnen in der Regel zu einem dauerkranken oder hypersensiblen Hund. Spätfolgen, für die Sie keinen Regress stellen können, da sie – das Wort „Spätfolgen“ spricht für sich – nicht unmittelbar nach Übernahme des Welpen auftreten. Für Ihren Hund (und damit für Ihren Geldbeutel und für Ihre Nerven) besteht eine große Chance auf die Entwicklung von lebenslänglichen Allergien, chronischen Gehörgangsentzündungen und chronischen Darmentzündungen.

Möchten Sie wirklich für „schlechte Ware“ (aus der Sicht des reinen Verkaufsartikels! Es fällt mir schwer, einen Welpen so zu bezeichnen) so viel Geld ausgeben?

Denken Sie mit, denken Sie um! Der Weg zu Ihrem Hund, Ihrem neuen Familienmitglied kann nur der über den Tierschutz oder einen seriösen Züchter gehen, damit Sie auch in positivem Sinne Ihr Leben lang etwas davon haben.

Vielen Dank für diesen Artikel an Mirjam Cordt, DOG-InForm®

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