Philosophie & Persönliches

Was bewog mich dazu eine Hundeschule zu gründen?

Mit Tieren zu arbeiten war immer schon mein Traum. Als Kind suchte ich immer nach einer Möglichkeit mit Hunden Gassi zu gehen und mich um Tiere zu kümmern. Da meine Familie und mein Umfeld damals aber meinte, dass dies kein „richtiger“ Beruf sei, machte ich erst einmal eine Ausbildung zur Rechtsanwaltsfachangestellten. „Du musst ja was gescheites Lernen, Kind“, hieß es immer. Schnell merkte ich aber, dass eine Arbeit im Büro mich nicht ausfüllte. Nachdem ich tagsüber im Büro saß und Akten bearbeitet hatte, verbrachte ich meine Freizeit mit Tieren und lernte viel über sie. Ich arbeitete ehrenamtlich in Tierheimen und nahm Tiere in Pflege. Außerdem engagierte ich mich in allen Richtungen des Tierschutzes und setzte mich für die Rechte von Tieren ein, was im Übrigen auch heute noch eines meiner Hauptanliegen ist.

Schnell merkte ich aber, dass die Liebe zu Tieren allein nicht ausreichen würde um mit ihnen zu arbeiten. Da ich die tiefste Verbindung immer zu Hunden hatte, versuchte ich soviel wie möglich über sie zu lernen. Ich laß unzählige Bücher, ging auf verschiedene Vorträge und schaute mich bei Hundetrainern um. Ich war damals erschrocken darüber, wie unterschiedlich die Meinungen und Ansichten der Menschen zum Thema Haltung, Pflege und Ausbildung von Hunden waren. Ich war immer schon überzeugt davon, dass es möglich sein musste, Hunden den Respekt entgegenzubringen, den ich für sie empfand und sie trotzdem zu erziehen. Oft wurde ich für meine Ansichten belächelt und sogenannte „Hundeexperten“ erzählten mir Geschichten über dominante Hunde, die man auf ihren subdominanten Platz verweisen müsse; sie sagten, dass Hunde in einer strengen Rudelhierarchie mit dem Menschen leben müssten und dass es eben nicht ohne Druck und Starkzwang gehen würde. Ich hatte zu dieser Zeit noch keinen eigenen Hund, trotzdem widerstrebten mir diese Ansichten aufs Äußerste.

Kurz darauf zog Whisky, ein Retrievermischling, bei mir ein. Whisky hatte einen schweren Autounfall hinter sich und ich beschloss ihn damals in Pflege zu nehmen und aufzupäppeln. Er hatte immer wieder epileptische Anfälle und war inkontinent. Ich bekam außerdem die Information, dass Whisky sich „mit allem und jedem“ verstehe. Eine Aussage, die sich als nicht ganz richtig erwies, wie sich später herausstellte. Nachdem es ihm besser ging und er zum Glück auch nicht mehr inkontinent war, merkte ich, dass Whisky schnell in Stress geriet. Und dann verwickelte er sich rasend schnell in Raufereien mit anderen Hunden. Außerdem mag er keine Katzen und Kleintiere hat er zum Fressen gern. Nach den Jahren des Zusammenlebens haben wir viele der kleinen und großen Probleme in den Griff bekommen aber trotz allem ist und bleibt Whisky ein Hund, der mit Stress nur sehr schlecht umgehen kann. Whisky war der erste Hund, bei dem aus dem Pflegehund letztendlich ein festes Familienmitglied wurde.

Zu dieser Zeit lernte ich Ursel Gericke (Tierheimleiterin im Tierheim Ludwigsburg) kennen und merkte sofort, dass sie ein Mensch ist, der Hunde als das akzeptiert was sie sind und einen wundervoll freundlichen und natürlichen Umgang mit ihnen pflegt. Ich lernte sehr viel von ihr und war begeistert über die Art, wie sie ihre 12-Köpfige Hundegruppe souverän führte.

Ungefähr drei Jahre, nachdem Whisky bei mir eingezogen war, nahm ich Hexe in Pflege. Hexe ist eine Mischlingshündin aus Spanien, vermutlich ein Pekinese-Dackel-Mix. Sie ist ein Hund, der den Menschen immer ein „Oh ist die süüüüüß!“ entlockt. Auch sie war kränklich und kam im Tierheim nur sehr schlecht zurecht und so kam sie zu mir. An sich eine völlig unproblematische Hündin, musste ich doch lernen, dass eine Gruppendynamik zwischen zwei Hunden sehr anstrengend sein kann. Whisky begann Hexe bei allen Gelegenheiten vor fremden Hunden zu beschützen und Hexe stachelte Whisky durch leises Grummeln immer weiter an… Als ich merkte wie gut sich die zwei verstanden beschloss ich, dass auch Hexe bei mir bleiben durfte.

Auch anderweitig lernte ich Menschen kennen, die in Bezug auf den Umgang mit Hunden die gleiche Meinung vertraten wie ich. Zwischenzeitlich zog Maya, eine trächtige Mischlingshündin aus dem Tierschutz bei mir ein, die bei mir ihre fünf Welpen großzog. Diese Zeit war sehr anstrengend aber auch wahnsinnig spannend und lehrreich für mich. Alle fünf Welpen wurden in tolle Familien vermittelt und auch Maya fand ein schönes zu Hause.

Durch diesen Umstand ermutigt suchte ich nach Ausbildungsmöglichkeiten zur Hundetrainerin. Ernüchtert stellte ich auch hier fest, dass das Fehlen einer staatlichen Ausbildung in dem Bereich dazu führte, dass die Ansichten über Ausbildung und Umgang mit Hunden sehr unterschiedlich waren. Ungefähr zwei Jahre sammelte ich weiterhin praktische Erfahrung in Tierheimen, bevor ich mich entschloss bei „Animal Learn“ meine Ausbildung zu beginnen. Hier fand ich Menschen, die so mit Hunden arbeiteten, wie ich mir das vorstellte. Und ich fand meine Ansichten über eine gewaltfreie und freundliche Ausbildung von Hunden bestätigt. Während der Ausbildung zog ein weiterer 4-Beiner bei uns ein. Amy, eine Cane-Corso-Hündin kam in völlig abgemagertem und desolaten Zustand ins Tierheim. Als Zuchtmaschine missbraucht und zuletzt völlig ausgemergelt weggeworfen, das war ihr Schicksal. Amy lebte noch 6 Jahre bei uns, niemand dachte am Anfang, dass die Hündin so alt werden würde und nocheinmal so eine Lebensfreude entwickeln könnte.

Während ich meine Ausbildung zur Hundetrainerin absolvierte, begann ich fest im Tierheim Ludwigsburg zu arbeiten. Als Interessentenbetreuerin und Hundetrainerin bemühe ich mich, jedem uns anvertrauten Hund ein Heim bei passenden Menschen zu suchen und gleichzeitig den Mensch-Hund-Teams auch nach der Vermittlung mit Rat und Tat zu Seite zu stehen. Weiterhin betreue ich natürlich auch noch nicht vermittelte Hunde im Tierheim. Einige dieser Fellnasen sind unter „Not-Felle“ zu finden, viele weitere direkt unter Tierheim Ludwigsburgs. Sie sind auch herzlich eingeladen uns im Tierheim einen Besuch abzustatten, vielleicht ist ja auch Ihr Traumhund noch bei uns und wartet auf Sie…

Im Januar 2010 habe ich die Ausbildung zur professionellen Hundetrainerin bei Animal Learn erfolgreich abgeschlossen und teile seitdem meine Erfahrungen mit anderen Menschen und gebe Hilfestellungen, so dass auch aus Ihnen und Ihrem Vierbeiner ein Dream-Team wird!

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